Kommentieren
Im August 2025
Herr Schulte hat sich vor einiger Zeit ein paar Gedanken zum Kommentieren gemacht. Ich habe den Text gerne gelesen. Er hat mich zum Nachdenken gebracht - und damals dazu, diesen Beitrag zu schreiben.
Zunächst: In diesem Blog Dings hier habe ich absichtlich keine Kommentare eingebaut: Das hat den technischen Grund, dass die Seiten statisch generiert werden und Kommentare ein ziemlich dynamisches Ding sind. Der andere Grund ist, dass ich mich nicht mit Kommentaren herumschlagen möchte. Ich möchte sie weder administrieren, noch freischalten, noch löschen, noch irgendwie verantwortlich gemacht werden für Sachen, die andere auf meiner Seite hinterlassen können.
Jeder kann sich recht einfach irgendwo einen Blog oder eine Webseite oder ein Dings bauen und dort etwas zu meinen Inhalten hinterlassen. Oder mir eine Mail schreiben. Ob ich das dann lese oder nicht - oder darauf reagiere ist meine Sache alleine.
Auf diese Weise kann jeder, der das wünscht, mit mir in Dialog treten.
In der Tat ist die Hürde zu "kommentieren" so recht gross.
Herr Schulte schreibt etwas vom Dialog, der existierte oder den er gerne führen würde.
Ich selbst möchte auf meiner Webseite meinem Blog meinem Dings keinen Dialog führen. Mir macht es Spass zu schreiben, den technischen Hintergrund von statischen oder dynamischen Webseiten zu verstehen und einfach im Internet einen Ort zu haben, wo ich anderen sagen kann: Schau, hier, das habe ich gemacht und wenn dich ein Aspekt von mir interessiert, dann kannst du gerne lesen.
Im Februar 2026
Nun habe ich diesen interessanten Post von ihm gelesen, mit der Frage:
Wie siehst du das? Fehlt dir die Kommentarkultur auch ein bisschen – oder empfindest du sie eher als Belastung?
Nun ja. In der Anfangszeit des Internet, um die 2000er Jahre herum hatten wir eine ziemlich erfolgreiche Webseite gestartet, um die LGBT-Community in Thüringen zu vernetzen. "Wir" litten ziemlich unter der Zersplitterung der Angebote über das ganze Land und darunter, dass man nie wusste, was wann wo los war. Welche Gruppen und Angebote es so gab. Neben den City-Guides und einem Kalendarium gab es auch unregelmässig veröffentlichte Artikel über das was so los war oder was noch kommt.
Und unter diesen Artikeln hatten wir Kommentare freigeschaltet. Es lief recht gut, es gab viele nette und wohlwollende Kommentare, die unsere Arbeit schätzten oder konstruktiv kritisierten.
Es dauerte relativ lange, bis wir uns den ersten hässlichen Troll eingefangen hatten.
Die Seite war ein Nischenangebot, das durch die Person mit seinen unflätigen Kommentaren geflutet wurde. Es waren wir, die unsere Freizeit damit verbrachten, das von der Community geschätzte Angebot zu pflegen und zu betreiben, und die wir mit Dreck beworfen wurden - und unsere Zeit dafür opferten, die Kommentare zu beantworten, später einfach zu löschen und noch später technische Mittel programmierten, um die Person von unserer Webseite auszuschliessen.
Es waren die Anfangszeiten des Internet, in denen die Hürden teilzunehmen - technisch oder einfach intellektuell - noch hoch genug waren, um die Störenfriede und Unruhestifter einigermassen herauszuhalten.
Für uns war das damals eine zu hohe Belastung, so dass wir schlussendlich die Kommentare ausschalteten.
Ein andere Aspekt bei den Kommentaren ist - und ich weiss gar nicht mehr, wer mich auf den Gedanken brachte - es könnte Dave Winer gewesen sein.
Jeder Kommentar, den ich auf einer anderen Webseite hinterlasse, geht automatisch in die Hoheit des Webseitenbetreibers über. Oder des Blog-Besitzers. Ich kann einen schönen 1000 Zeichen Text schreiben und als Kommentar hinterlassen und sehe diesen Text nie wieder. Ich verliere die Kontrolle über etwas, für das ich mir Zeit und Gedanken gemacht habe. Ich war kreativ unterwegs und schenke meine Leistung jemanden anderem.
Das finde ich sehr schade. Gehen wir davon aus, dass alle, die etwas sagen möchte auch gehört werden wollen, dann wären ihre Beiträge doch viel besser auf den eigenen Blogs / Webseiten / Internetpräsenzen aufgehoben, wo der Beitrag auch überarbeitet oder wieder gelöscht werden kann, wenn ihr es später bereut, das geschrieben zu haben.
Andererseits kann ich für einen Kommentar, den ich anonym irgendwo hinterlasse, nicht verantwortlich gemacht werden. Das ist für einen Troll eine super Sache. Für den Blog-Betreiber eher nicht, denn der hat ja die Arbeit.
Kommentarkultur ist für mich Vernetzungskultur. Steht für die Sachen, die ihr sagen und veröffentlichen wollt, selber gerade und versteckt euch nicht in anonymen Kommentaren.
Es ist schön, wenn wir uns in Kommentarspalten wiederfinden können. Aber es ist besser, wenn wir beginnen, uns mit unseren Webseiten zu vernetzen.